Kunst-Zerstörung von Amts wegen:

Der Märkische Brunnen

Als damals in Ost-Berlin der Tierpark entstand, benannte man den Platz gegenüber nach dessen Gründer: Datheplatz. Und dahinter entstand eines der größten Neubaugebiete mit Wohnraum für Zehntausende Menschen. Es gab plötzlich schicke und bezahlbare Wohnungen, das soll mal heute einer nachmachen.

Um das zu würdigen, hat man in der DDR eine Künstlerin Anfang der 80-er Jahre beauftragt, auf dem Datheplatz ein Denkmal zu errichten. Und die Künstlerin, Christiane Wartenberg, schuf einen Brunnen mit wasserspeienden Frauen- und Tierfiguren. So entstand der Märkische Brunnen, um den es hier geht. Später wurden auch noch zwei weitere Brunnen auf dem selben Platz eingerichtet. Schöne neue Wasserwelt, mit plantschenden Kindern und Müttern, die auf dem Beckenrand saßen. Auf der Seite "Unser Brunnen" gibt es Links zu Bildern aus dieser schönen Anfangszeit.


 Heute: Eine Spur der Zerstörung

1992, also nur kurz nach der Wende, gab irgendjemand den Befehl: "Wasser weg". Die Becken des Märkischen Brunnens wurden mit Steinen und Sand zugeschüttet, es wurde Trockenlegung angeordnet.

Und kein Mensch weiß heute noch, wer da Schuld war. War das der Berliner Senat, oder wurde der Denkmalschutz blind? Oder hat das Bezirksamt in Lichtenberg damals gesagt: Die beiden anderen kleinen Brünnchen auf dem Datheplatz sind uns genug, den Hauptbrunnen, also das Kunst-Denkmal, zerkloppen wir mal? Und die Berliner Wasserbetriebe, die für alle circa 230 Brunnen in Berlin zuständig sind, haben dem Märkischen Brunnen einfach mal so das Wasser abgestellt, ohne davon selber etwas zu merken?

Wir wollen nicht spekulieren, was der wirkliche Grund war. Wer jedoch von Amts wegen das Brunnen-Denkmal zerstört hat, müsste es eigentlich auch wieder ersetzen.


 Bis zur Unkenntlichkeit

2011 wurde es noch schlimmer: Das Bezirksamt Lichtenberg setzte es in einem Verwaltungsakt um, auch die beiden großen Becken des Märkischen Brunnens abzureißen und alles platt zu machen.

Übrig blieben nur die früher einmal wasserspeienden Säulen, die Stelen, aus deren Ziegeln die Künstlerin einst per Hand die Frauen- und Tiergesichter geschnitzt und geformt hatte, um die Verbindung zwischen den Menschen im neuen Wohnquartier und dem Tierpark zu symbolisieren.

Eines der Brunnen-Gesichter, Bild: Juhnke



 Zweifellos Kunstfrevel

Der Märkische Brunnen ist zweifellos Kunst. Auch heute noch! Die Bildhauerin Christiane Wartenberg ist sogar für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden. Und das bedeutendste Objekt ihrer Arbeit steht heute traurig-zerstört auf dem Datheplatz.

Hier erkennen die Marktleute nicht mehr, dass dies Kunst ist und lehnen ihre Planen und Bretter dagegen. Und manch einer behauptet, die Kunst-Schändung sei nur gemacht, damit die Graffiti-Sprayer die kümmerlichen Reste jetzt trockenen Fußes beschmieren können.

Die Marktleute erkennen nicht, dass dies Kunst ist, Foto: Juhnke



Märkischer Brunnen 2025, Foto: Juhnke